Rückblick: Freikirchliches Symposion bei uns zu Gast

Vom 9. bis zum 11. November fand an unserer Hochschule ein freikirchliches Symposion statt. Hier ein kleiner Rückblick:

Hauptsache der Sound stimmt?

Symposion zu aktuellen Herausforderungen für Gemeinden 

Veränderungen und Entwicklungen der spätmodernen Gesellschaft machen auch vor christlichen Gemeinden nicht Halt – vielmehr müssen diese lernen, sich darauf einzustellen. Wie ein solches Spannungsfeld der Gemeinden zwischen Attraktivität und Konfessionalität aussehen kann, wurde am vergangenen Wochenende an der Theologischen Hochschule Ewersbach (Ausbildungsstätte des Bundes Freien evangelischen Gemeinden) erörtert: Unter dem Titel „Hauptsache der Sound stimmt“ veranstaltete die Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik in Zusammenarbeit mit der Theologischen Hochschule Ewersbach ein zweitägiges Symposion. Anliegen der 1995 gegründeten Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik ist es, Erkenntnisse der wissenschaftlichen Theologie für die Gemeinden fruchtbar werden zu lassen, wie die Vorstandsvorsitzende Andrea Strübind erläuterte. Genau das geschah auf dieser freikirchlichen Tagung, auf der neun Experten aus unterschiedlichen Bereichen referierten. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch einen Vortrag von Hilke Rebenstorf vom sozialwissenschaftliches Institut der Evangelischen Kirche Deutschland. Anhand der von ihrem Institut durchgeführten Studie zeigte sie den etwa 50 Teilnehmern die externen und internen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Gemeindearbeit auf. Als aktuelle Herausforderungen für Gemeinden identifizierte sie die Säkularisierung auf verschiedenen Ebenen, die Konkurrenz mit anderen Gemeinden oder mit religiös-säkularen Angeboten, die Pluralisierung und die Individualisierung. Gerade letzteres sorge auch dafür, dass die natürliche Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft aufgehoben und neu hergestellt werden müsse. Dass dies auch und gerade auf „fromme Gemeindekinder“ zutrifft, machte der Vortrag von Tobias Künkler von der CVJM-Hochschule Kassel deutlich. Er stellte die Ergebnisse seiner Studie über die heranwachsende Generation vor. Auch in dieser Studie trat die postkonfessionelle Identität von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hervor. Diese äußere sich nicht nur in einer Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Mitgliedschaft, sondern auch in einem gemischten Gottesdienstbesuch-Verhalten: So habe über die Hälfte der Befragten angegeben, regelmäßig an Gottesdiensten verschiedener Gemeinden teilzunehmen. Zudem konstatierten die Forscher eine abnehmende Bedeutung von Konfession bei den 14- bis 29-Jährigen, die sie „Generation Lobpreis“ getauft hatten. Dieser Name sei zum einen deshalb passend, weil Lobpreis zur Glaubensstärkung in dieser Altersgruppe die größte Rolle spiele. Zum anderen aber auch wegen des Lebens-und Glaubensgefühls, das durch Lobpreis vermittelt werde und sich unter anderem durch Subjektivierung und Emotionalisierung des Glaubens äußere. Außerdem hätten Lobpreislieder enorme Auswirkung auf das Gottesbild der Generation. Die weitreichende theologische Bedeutung von Lobpreisliedern trat auch in Vortrag und Podiumsgespräch mit Guido Baltes (Marburger Bibelseminar) und Thomas Kraft (Christlicher Sängerbund) hervor: Lieder würden den Glauben sehr viel stärker als Predigten prägten. Die Aufgabe von (zukünftigen) Pastoren sei es daher, theologische Rechenschaft darüber abzulegen, welche Lieder gesungen würden. Wie divers, ja gegensätzlich, die Ausrichtung von geistlicher Musik sein kann, machten Überblicke über die Geschichte des Lobpreises bzw. der Chormusik deutlich: Nicht zuletzt deshalb gäbe es die unterschiedlichen Erwartungen an Lobpreis, die in Gemeinden aufeinanderprallen würden. Beide plädierten dafür, dass sich Musik in der Gemeinde nicht als Trennungslinie zwischen verschiedenen Gruppen etablieren dürfe, sondern als verbindendes Element gestärkt werden sollte. Verbindend – und zwar für die unterschiedlichen Konfessionen – war allein schon das Stattfinden dieser Tagung: Denn mit den Methodisten (EmK), den Baptisten (EFG) und den Freien evangelischen Gemeinden (FeG) waren drei Freikirchen beteiligt, die mit ihrer jeweils unterschiedlichen konfessionellen Identität an diesem Wochenende gemeinsam und fruchtbar theologisch arbeiteten.

Weitere Referenten waren: Markus Iff (Ewersbach), Oliver Pilnei (Elstal), Ralf Dziewas (Elstal), Joachim Willems (Oldenburg), Achim Härtner (Reutlingen).