Theologisches Gespräch 4/2018

Ökumene ist mehr als nur der Dialog zwischen den großen  traditionellen Volkskirchen. Die Freikirchen haben allerdings keinen Grund, sich schmollend in eine Ecke zurückzuziehen. Im deutschsprachigen Raum mögen sie eine Minderheit in der kirchlichen Landschaft darstellen. Auf weltweiter Ebene allerdings finden sich die freikirchlichen Denominationen stark vertreten. Dabei mag es in ihren Anfängen vielfach um Abgrenzung von den vorherrschenden Staatskirchen gegangen
sein, schon bald allerdings waren sie engagiert dabei, konfessionsübergreifende Netzwerke zu bilden. So sind sich Freikirchen ihrer Besonderheit und Stärke im Engagement sowie auch ihrer Begrenztheit bewusst. In ihrem Bemühen, nicht nur
das Miteinander der Christen (z. B. in der Evangelischen Allianz), sondern auch das der Kirchen (z. B. in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) zu stärken, kommen sie dem Gebet Jesu um die Einheit seiner Jünger (Joh 17, 20-21) nach und
erfahren darin auch Glaubensstärkung und Weitung ihres Horizonts. In den Aufsätzen dieses Heft es beleuchten die Autoren jeweils aus landeskirchlicher und aus freikirchlicher Perspektive den mühevollen, aber lohnenswerten Weg der multilateralen Ökumene, im Bewusstsein, dass das, was die Kirchen unterscheidet, seine
Gründe hat und diese Unterschiedlichkeiten die Ökumene auch bereichern.

 

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Rückblick: Freikirchliches Symposion bei uns zu Gast

Vom 9. bis zum 11. November fand an unserer Hochschule ein freikirchliches Symposion statt. Hier ein kleiner Rückblick:

Hauptsache der Sound stimmt?

Symposion zu aktuellen Herausforderungen für Gemeinden 

Veränderungen und Entwicklungen der spätmodernen Gesellschaft machen auch vor christlichen Gemeinden nicht Halt – vielmehr müssen diese lernen, sich darauf einzustellen. Wie ein solches Spannungsfeld der Gemeinden zwischen Attraktivität und Konfessionalität aussehen kann, wurde am vergangenen Wochenende an der Theologischen Hochschule Ewersbach (Ausbildungsstätte des Bundes Freien evangelischen Gemeinden) erörtert: Unter dem Titel „Hauptsache der Sound stimmt“ veranstaltete die Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik in Zusammenarbeit mit der Theologischen Hochschule Ewersbach ein zweitägiges Symposion. Anliegen der 1995 gegründeten Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik ist es, Erkenntnisse der wissenschaftlichen Theologie für die Gemeinden fruchtbar werden zu lassen, wie die Vorstandsvorsitzende Andrea Strübind erläuterte. Genau das geschah auf dieser freikirchlichen Tagung, auf der neun Experten aus unterschiedlichen Bereichen referierten. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch einen Vortrag von Hilke Rebenstorf vom sozialwissenschaftliches Institut der Evangelischen Kirche Deutschland. Anhand der von ihrem Institut durchgeführten Studie zeigte sie den etwa 50 Teilnehmern die externen und internen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Gemeindearbeit auf. Als aktuelle Herausforderungen für Gemeinden identifizierte sie die Säkularisierung auf verschiedenen Ebenen, die Konkurrenz mit anderen Gemeinden oder mit religiös-säkularen Angeboten, die Pluralisierung und die Individualisierung. Gerade letzteres sorge auch dafür, dass die natürliche Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft aufgehoben und neu hergestellt werden müsse. Dass dies auch und gerade auf „fromme Gemeindekinder“ zutrifft, machte der Vortrag von Tobias Künkler von der CVJM-Hochschule Kassel deutlich. Er stellte die Ergebnisse seiner Studie über die heranwachsende Generation vor. Auch in dieser Studie trat die postkonfessionelle Identität von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hervor. Diese äußere sich nicht nur in einer Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Mitgliedschaft, sondern auch in einem gemischten Gottesdienstbesuch-Verhalten: So habe über die Hälfte der Befragten angegeben, regelmäßig an Gottesdiensten verschiedener Gemeinden teilzunehmen. Zudem konstatierten die Forscher eine abnehmende Bedeutung von Konfession bei den 14- bis 29-Jährigen, die sie „Generation Lobpreis“ getauft hatten. Dieser Name sei zum einen deshalb passend, weil Lobpreis zur Glaubensstärkung in dieser Altersgruppe die größte Rolle spiele. Zum anderen aber auch wegen des Lebens-und Glaubensgefühls, das durch Lobpreis vermittelt werde und sich unter anderem durch Subjektivierung und Emotionalisierung des Glaubens äußere. Außerdem hätten Lobpreislieder enorme Auswirkung auf das Gottesbild der Generation. Die weitreichende theologische Bedeutung von Lobpreisliedern trat auch in Vortrag und Podiumsgespräch mit Guido Baltes (Marburger Bibelseminar) und Thomas Kraft (Christlicher Sängerbund) hervor: Lieder würden den Glauben sehr viel stärker als Predigten prägten. Die Aufgabe von (zukünftigen) Pastoren sei es daher, theologische Rechenschaft darüber abzulegen, welche Lieder gesungen würden. Wie divers, ja gegensätzlich, die Ausrichtung von geistlicher Musik sein kann, machten Überblicke über die Geschichte des Lobpreises bzw. der Chormusik deutlich: Nicht zuletzt deshalb gäbe es die unterschiedlichen Erwartungen an Lobpreis, die in Gemeinden aufeinanderprallen würden. Beide plädierten dafür, dass sich Musik in der Gemeinde nicht als Trennungslinie zwischen verschiedenen Gruppen etablieren dürfe, sondern als verbindendes Element gestärkt werden sollte. Verbindend – und zwar für die unterschiedlichen Konfessionen – war allein schon das Stattfinden dieser Tagung: Denn mit den Methodisten (EmK), den Baptisten (EFG) und den Freien evangelischen Gemeinden (FeG) waren drei Freikirchen beteiligt, die mit ihrer jeweils unterschiedlichen konfessionellen Identität an diesem Wochenende gemeinsam und fruchtbar theologisch arbeiteten.

Weitere Referenten waren: Markus Iff (Ewersbach), Oliver Pilnei (Elstal), Ralf Dziewas (Elstal), Joachim Willems (Oldenburg), Achim Härtner (Reutlingen).

Als das jüdische Beten christlich wurde…

Die Theologische Hochschule Ewersbach lädt am 14. November ein zu einem Vortragsabend mit dem renommierten Bonner Neutestamentler Prof. Dr. Hermut Löhr.

Dieser wird dabei der Frage nachgehen,  inwieweit frühe Christus-Anhänger ihren Glauben und ihre Gebetspraxis nach jüdischen Vorbildern gestalteten.

Der Vortrag wird um 20:00 in der Theologischen Hochschule Ewersbach stattfinden. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss lädt die Hochschule zu einem kleinen Imbiss ein.

 

Rückblick: Eröffnungsgottesdienst am 30.09.2018

„Sehnsucht ist unser Pfad zu Gott“

Eröffnung des neuen Studienjahres an der Theologischen Hochschule Ewersbach

Sollten Pastoren angesichts von weit verbreiteten Zweifeln heute nur noch vorsichtig von Gott reden? Mit dieser in einer aktuellen Diskussion geäußerten These eröffnete Pastorin Friederike Meißner (FeG Köln-Mülheim) ihre Predigt zum Festgottesdienst am 30. September. Vor den rund 400 Zuhörern im Kronberg-Forum vertrat sie die Ansicht, dass man Zweifel nicht wegreden, sondern die Menschen mit ihren Fragen ernstnehmen solle. Zugleich gelte es jedoch, die „Zweifel anzuzweifeln“. In diesem Sinne ermutigte sie die Studenten zum eigenen Forschen und Prüfen. „Was wahr ist, bleibt wahr, unabhängig von deinen Zweifeln.“ An der Paulusrede auf dem Areopag zeigte sie den Weg auf von einer zunächst unbestimmten Sehnsucht nach Gott hin zur Annahme des Evangeliums in Jesus Christus.

Zehn Studierende beendeten im Herbst ihren Bachelorstudiengang. Die feierliche Zeugnisüberreichung nahm Rektor Prof. Dr. Andreas Heiser vor. Die Themen der einzelnen Bachelorarbeiten wurden in Interviewform per Video eingespielt. Die Themen waren vielfältig und reichten vom Leid in den Klageliedern (AT) und den Begegnungen von Maria und Thomas mit dem Auferstandenen (NT) über die Ethik von Helmut Thielicke (Systematische Theologie) und moderne Lobpreismusik (Praktische Theologie) bis hin zum Weg vom Shintoismus zum christlichen Glauben in Japan (Missionswissenschaft).

„Wenn es nach mir gegangen wäre, stünde ich heute nicht hier!“ Mit diesen und anderen Worten gaben im Anschluss die Studienanfänger Einblicke darüber, wie sie die Führung Gottes nach Ewersbach erlebten. Zehn Studierende beginnen im ersten Semester, zwei weitere steigen ins dritte bzw. ins fünfte Semester ein. Willkommen geheißen wurden auch zwei „Kandidaten“, d.h. Absolventen anderer Ausbildungsstätten, die ein Jahr ein Ewersbach studieren werden, um danach in den Pastorendienst im Bund Freier evangelischer Gemeinden zu treten.

Durch den Gottesdienst führte Prof. Dr. Johannes Reimer. Grußworte überbrachten Bürgermeister Andreas Thomas für die politische Gemeinde Dietzhölztal, Gerd Krumm für den Dill-Westerwald-Kreis, Pastor Simon Birr für die FeG Ewersbach und Dr. Thomas Schmidt für die Allianz-Mission. Letzterer stellte auch die im vergangenen Jahr intensivierte Kooperation zwischen Mission und Hochschule im Programm „Mission Track“ vor.

An der Theologischen Hochschule Ewersbach studieren in diesem Semester 63 Studierende in Vollzeit sowie 32 Kontaktstudenten.

Prof. Dr. Julius Steinberg

Die Predigt von Pastorin Friederike Meißner (FeG Köln-Mühlheim):

Die Vorstellung der Erstsemester, Quereinsteiger und Kandidaten:

Umfrage zum Thema „Theologiestudium“ – Ergebnisse und Preisverleihung

„Habe von Ewersbach viel Gutes gehört“ – Umfrage unter Schulabgängerinnen und Schulabgängern zum Thema „Theologiestudium“

 

Von einer theologischen Ausbildung erhoffen sich die Umfrageteilnehmer, einen tieferen Einblick in die Bibel zu bekommen, im Glauben zu wachsen und gut vorbereitet in den Dienst für Gott gehen zu können. Gegen die Theologie sprechen u.a. die Herausforderungen des Sprachenlernens, die Sorge, den Glauben zu verlieren, die Angst, vor Menschen zu sprechen, die fehlende Attraktivität des Pastorenberufs besonders im Blick auf Finanzen oder schlicht und einfach andere berufliche Interessen.

Auf verschiedene Ausbildungswege befragt, erscheint für diejenigen, die schon einmal persönlich über eine theologische Ausbildung nachgedacht haben, eine einjährige Bibelschulausbildung am attraktivsten (52% Zustimmung), gefolgt vom Studium an einer freikirchlichen Hochschule (46%). Deutlich dahinter liegen das Universitätsstudium (17%) und der Besuch einer mehrjährigen Bibelschule ohne Akkreditierung (14%).

Für die Wahl des Studienortes Ewersbach sprechen – in absteigender Gewichtung – allgemein der gute Ruf der Hochschule, gute Eindrücke von Ewersbacher Studenten und Pastoren, die gute Gemeinschaft, die Zugehörigkeit zum FeG-Bund, die räumliche Nähe zum Heimatort sowie die geistliche Ausrichtung der Lehre und der Dozenten. Gegen Ewersbach wird vor allem die weite Entfernung zum Heimatort bzw. die dörfliche Abgeschiedenheit angeführt (47% aller kritischen Rückmeldungen); Die Begrenzung auf den FeG-Bund bemängeln 11%.

Die Umfrage wurde auf dem Bundesjugendkongress und online durchgeführt. Insgesamt haben 212 Personen teilgenommen. Das Durchschnittsalter betrug 19 Jahre.

Unter allen Umfrageteilnehmern wurden Amazon-Gutscheine im Wert von 6x 25 Eur und 1x 50 Eur verliehen. Die Benachrichtigung der Preisträger erfolgt am 25.09.2018. Herzlichen Glückwunsch!

 

Prof. Dr. Julius Steinberg, Theologische Hochschule Ewersbach

Ausschreibung: Professur für Pädagogik / Erziehungswissenschaften in Teilzeit

Die Theologische Hochschule Ewersbach (THE) ist eine staatlich anerkannte Hochschule für angewandte Wissenschaften und als solche Ausbildungsstätte des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland KdöR (BFeG) für Pastorinnen und Pastoren, Missionarinnen und Missionare sowie Gemeindereferentinnen und -referenten.

An der Hochschule ist zum Wintersemester 2019 / 2020 eine

Professur für Pädagogik / Erziehungswissenschaften

in Teilzeit (50% + [§ 61,8 HHG])

zu besetzen.

Die Professur soll das pädagogische Profil der THE erweitern und schärfen. Der Stelleninhaber bzw. die Stelleninhaberin hat das Fachgebiet in seiner ganzen Breite in Lehre und Forschung zu vertreten und als Bezugswissenschaft zur Evangelischen Theologie zu etablieren.

Allgemeine Einstellungsvoraussetzungen (§ 62 HHG) sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium, die Befähigung zu wissenschaftlichem Arbeiten, nachgewiesen durch die Qualität einer Promotion in Pädagogik / Erziehungswissenschaften, sowie die pädagogische Eignung.

Darüber hinaus werden wissenschaftliche Leistungen oder besondere Leistungen bei der Anwendung oder Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden in einer mindestens fünfjährigen beruflichen Praxis, von der mindestens drei Jahre außerhalb des Hochschulbereichs ausgeübt worden sein müssen, vorausgesetzt.

Ein interdisziplinärer Forschungsansatz, der insbesondere anschlussfähig ist an die theologischen Diskurse, ist erwünscht, ebenso wie Erfahrungen in Wissenschaftsorganisation, Projekt- und Tagungsmanagement und in der Einwerbung von Drittmitteln.

Die Bewerberin bzw. der Bewerber sollte Mitglied einer christlichen Kirche, Gemeinde oder Gemeinschaft sein und sich mit dem Leitbild der THE identifizieren. Die Einstellung erfolgt in Anlehnung an Richtlinien zur Einstellung von Pastorinnen und Pastoren im BFeG.

Die Stelle ist zunächst auf acht Jahre befristet. Die Besoldung erfolgt nach den Gehaltsrichtlinien des BFeG.

Die THE fordert ausdrücklich auch Wissenschaftlerinnen zur Bewerbung auf. Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt berücksichtigt.

Bitte richten Sie die üblichen Bewerbungsunterlagen bis zum 31. Oktober 2018 an den Rektor der THE, Prof. Dr. Andreas Heiser, Jahnstraße 49–53, 35716 Ewersbach.

Spiritualität im Theologiestudium

„Das Theologiestudium ist gefährlich für den Glauben“, hört man gelegentlich von besorgten Christen. Dieses Buch zeigt erstmalig, welchen Stellenwert und welche Prägung das Phänomen Spiritualität im theologischen Studium in unterschiedlichen evangelischen (Frei-)Kirchen und Gemeinschaften besitzt. Untersucht wird das Verhältnis von Frömmigkeit und Theologiestudium im Kontext evangelisch-methodistischer, baptistischer, frei-evangelischer, selbstständig evangelisch-lutherischer und evangelisch-landeskirchlicher Tradition.

Personal piety and academic theology? A survey of seminaries and public universities training prospective clergy for Protestant denominations in Germany, including Baptist, confessional and mainstream Lutheran, Methodist, and Reformed churches.

Mit Beiträgen der Herausgeber sowie von Christoph Barnbrock, Achim Härtner, Wolfgang E. Heinrichs, Sabine Hermisson, Markus Iff, Ingo Scharwächter, Michael Schröder und Volker Spangenberg.

ISBN 978-3-8469-0292-9

Edition Ruprecht

 

„Hauptsache der Sound stimmt“…

 

Unter dem Titel „Hauptsache der Sound stimmt“ führt die Gesellschaft für Freikirchliche Theologie und Publizistik ihr diesjähriges Symposium in Zusammenarbeit mit unserer Hochschule vom 9. bis 11. November durch. Zu Fragestellungen hinsichtlich Gemeinde im Spannungsfeld von Attraktivität und Konfessionalität werden Rednerinnen und Redner unterschiedlicher Hochschule referieren.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Internetpraesenz der Theologischen Hochschule Ewersbach